Meckern – vor Freude!

Tierische Landschaftspfleger im Schwalbachtal bei Wonsees

Noch einmal die letzten Kräuter und Sonnenstrahlen tanken, bevor das
Gemüt in das Novembergrau abtaucht – beim Genießen geht es den
Ziegen nicht anders als den Menschen.

Ziegen als Landschaftspfleger

In den karstigen Steillagen des Schwalbachtales kann man aktuell
kletteraffine Landschaftspfleger auf vier Beinen bewundern. Um zahllose
Dolomitfelsen herum ziehen sich romantische Wacholderheiden im
Gemeindegebiet von Wonsees. Diese historischen Hutungen, also von
Wanderschafherden ehemals beweidete öffentliche Flächen, sogenannte
Almende, beherbergen eine überbordende Artenvielfalt an
schwachwüchsigen Kräutern, Gräsern und vor allem Insekten.

Zusammenarbeit für den Naturschutz

Aufgrund der sehr großen Bedeutung für Naturschutz und Biodiversität hat
der Landschaftspflegeverband Landkreis Kulmbach e.V. (LPV) den
Ziegenhalter Daniel Stief aus Buckendorf mit der Pflege der
Kalkmagerrasen beauftragt.

Landschaftspflege als Geschäftsmodell

Der größte Ziegenhalter Oberfrankens setzt ganz auf Landschaftspflege
als Geschäftsmodell. Parallel hütet er jeweils mit kleinen Herden um die
vierzig Tiere gleich an mehreren Standorten hochwertige Biotopflächen in
Koppelhaltung.

Finanzierung durch Fördermittel

Bezahlt wird diese tierische Landschaftspflege maßgeblich mit Mitteln des
Bayerischen Umweltministeriums nach der Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinie. Den zehnprozentigen Eigenanteil stemmt der LPV als
gemeinnütziger Verein, bei dem zwanzig Kommunen und der Landkreis
Kulmbach Mitglied sind, sowie Naturschutzverbände und landwirtschaftliche Interessensvertretungen wie zum Beispiel der Bauernverband oder der
Maschinenring.

Fachlicher Austausch und Exkursion

Von der Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit von naturschutzorientierten Beweidungsprojekten überzeugte sich jüngst der Bereich Ernährung und Landwirtschaft an der Regierung von Oberfranken.

Im Rahmen einer Fachexkursion führte Klaus Schaumberg, Biologe und Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes im Landkreis Kulmbach, zu unterschiedlichsten Weideflächen, um mit den Fachleuten der Landwirtschaft Vor- und Nachteile, Herausforderungen und Chancen dieser Art der Landwirtschaft im Rahmen von Naturschutzvorhaben zu diskutieren.

Vorteile für Natur und Mensch

Bereichsleiter Rainer Prischenk betonte, dass es sich hierbei meistens um ertragsschwache Standorte handelt. Hier kommt es nicht zu Nutzungskonflikten mit herkömmlicher Landwirtschaft. Im Gegenteil: der Gewinn für eine attraktive und vielfältige Kulturlandschaft ist offenkundig wahrnehmbar, für Einheimische wie für Touristen.