Herkulesstaude – groß, schön und gefährlich

Landkreis geht gegen Herkulesstaude vor – LPV bittet Bürgerinnen und Bürger um Meldung weiterer Standorte

Mit ihren imposanten, schneeweißen Blütendolden und einer Wuchshöhe von bis zu dreieinhalb Metern zählt die Herkulesstaude (Heracleum mantegazzianum), auch Riesenbärenklau genannt, zu den auffälligsten Pflanzen im Kulmbacher Land. Doch die ursprünglich aus dem Kaukasus stammende Staude ist nicht nur beeindruckend anzusehen, sondern stellt auch eine ernstzunehmende Gefahr für Mensch und Natur dar.

Vom Nützling zur invasiven Art

Die Pflanze wurde Ende des 19. Jahrhunderts aufgrund ihres reichen Blütenangebots als Bienenweide nach Mitteleuropa eingeführt. Heute gilt sie als invasive Art, die sich insbesondere entlang von Gewässern, auf Brachflächen und an Bahndämmen ausbreitet. Eine einzelne Pflanze kann mehrere zehntausend Samen bilden und dadurch heimische Pflanzenbestände verdrängen.

Gesundheitsrisiko durch Pflanzensaft

Besonders problematisch ist jedoch das Gesundheitsrisiko. Der Pflanzensaft enthält sogenannte Furanocumarine, die in Verbindung mit Sonnenlicht phototoxisch wirken. Bereits bei Hautkontakt können schwere, verbrennungsähnliche Verletzungen entstehen, die nur langsam abheilen.

Vorkommen auch im Landkreis Kulmbach

Auch im Landkreis Kulmbach wurden mehrere größere Vorkommen festgestellt, vor allem im Frankenwald. Der Landschaftspflegeverband Landkreis Kulmbach e.V. hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, die Bestände systematisch zu erfassen
und zu bekämpfen.

„Wir sind sehr dankbar, dass wir mit Winfried Bloche und Thomas Wölfel zwei
engagierte und kompetente Partner haben, die diese mühsame Arbeit nicht scheuen“, betont Klaus Schaumberg, Biologe und Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes Landkreis Kulmbach e. V. „Im Schutzanzug bei
sommerlichen Temperaturen durch unwegsames Gelände zu gehen, die Pflanzen im nicht blühenden Zustand zu erkennen und möglichst vollständig mit dem Spaten auszustechen, ist kein Zuckerschlecken.“

Bekämpfung erfordert Ausdauer

Die Bekämpfung der Herkulesstaude gestaltet sich schwierig. Der Einsatz von
Herbiziden ist insbesondere in Gewässernähe rechtlich stark eingeschränkt und
vielfach nicht genehmigungsfähig. Mechanische Verfahren wie die Mahd mit
Motorsensen bergen aufgrund des verspritzenden Pflanzensaftes erhebliche Risiken für die Ausführenden. Eine weitere Möglichkeit ist die Behandlung mit heißem Wasser, bei der die Wurzel über spezielle Heißwasserlanzen geschädigt wird. Dieses Verfahren ist jedoch kostenintensiv und setzt die Erreichbarkeit der Flächen mit Fahrzeugen voraus.

In den teilweise stark betroffenen Bachtälern des Rehbachs und des Koserbachs
zwischen Grafengehaig, Marktleugast und Wirsberg bleibt deshalb vielfach nur die aufwendige Handarbeit. Da die Samen der Herkulesstaude schwimmfähig sind und bis zu zehn Jahre keimfähig bleiben, muss die Bekämpfung über mehrere Jahre konsequent fortgeführt werden, um dauerhaft erfolgreich zu sein.

Förderung und Unterstützung durch die Bevölkerung

Die Maßnahme wird zu 70 Prozent über staatliche Fördermittel aus der Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinie finanziert. Den verbleibenden Eigenanteil übernimmt der Landschaftspflegeverband Landkreis Kulmbach e. V. als Projektträger.
Um weitere Bestände frühzeitig erfassen zu können, setzt der Landschaftspflegeverband auch auf die Unterstützung der Bevölkerung. „Wir sind auf Hinweise aus der Bürgerschaft angewiesen, damit wir die Standorte der
Herkulesstaude möglichst flächendeckend dokumentieren und gezielt behandeln können“, appelliert Klaus Schaumberg an alle naturinteressierten Bürgerinnen und Bürger des Landkreises.

Sichtungen der Herkulesstaude können hier dem Landschaftspflegeverband Landkreis Kulmbach e. V. gemeldet werden.